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Ich mag keine miesen Webseiten!

Seit Mitte der 90er beschäftige ich mich mit Webseiten. Von der Konzeption, über die Erstellung bis hin zur Pflege. Ich habe an Seiten gearbeitet, die reihenweise Preise abgesahnt haben, an Projekten, die wegweisend für ihre Art waren, an soliden “Feld, Wald und Wiesen”-Homepages und natürlich auch an Dingen, die eigentlich schon bei der Planung als Todgeburten gebrandmarkt waren. Ohne falsche Bescheidenheit kann man also mit Fug und Recht behaupten, dass ich mich auf diesem Gebiet gut bis sehr gut auskenne. Und dass das Web seit Jahren fest in unserer Kultur und Gesellschaft verankert ist, muss man eigentlich auch niemandem mehr erzählen.

Dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) werde ich immer wieder von anscheinender Unwissenheit, Naivität und manchmal auch schlichtweg Ignoranz überrascht, mit der gerade Unternehmen und Gewerbe mit diesem Thema umgehen.

Sicherlich ist es immer noch keine Pflicht oder ein auferlegter Zwang sich eine Internetpräsenz zuzulegen und in vielen Fällen reicht die schlichte “Web-Visitenkarte”, die primär grundlegende Kontaktmöglichkeiten und Informationen darstellt, völlig aus. Zur schieren Verzweiflung treiben mich aber regelmäßig Webseiten, die in Umfang und Gestaltung genau zwischen besagter Visitenkarte und dem umfassenden Hochglanz-Web-Auftritt liegen.
Solche Seiten schreien mir förmlich ein “Hauptsache im Netz!”, “Wir haben kein Budget für dieses Internet!” oder “Aber wir kannten da jemanden, der konnte uns das ‘nebenbei’ machen!” ins Gesicht. Keine Frage, es gibt immer wieder Ausnahmen - aber im Großen und Ganzen lauern solche Homepages fast an jeder Ecke des Netzes und warten nur darauf, dass sie uns aufs heimtückischste erschrecken und zu Tränen treiben können.

Wir haben 2012 und das Internet ist elementarer Bestandteil unseres Lebens und der Wirtschaft. Der geneigte Besucher bzw. potenzielle Käufer von Restaurant X, Geschäft Y oder Produkt Z informiert sich (im Sinne von “googlet mal”) im Vorfeld gerne was ihn vielleicht später erwartet. Da entdeckt er dann eine dieser furchtbaren Seiten…
Und hier rede ich noch nicht mal von Webseiten, bei denen Informationen vielleicht versteckt sind oder die Usability nicht 100%ig optimal ist. Nein, ich rede von Webseiten, die optisch und technisch einfach nur gruselig sind!
WARUM nur??
Der Betreiber der Restaurant-Webseite käme doch auch nie auf die Idee seine Mülltonnen direkt offen neben dem Restaurant-Eingang zu positionieren… der Shop-Besitzer würde halbwegs gescheite Visitenkarten und nicht nur Post-It-Zettel mit in unleserlicher Handschrift geschriebener Adresse und Telefonnummer verteilen… und das neueste Produkt würde kaum so einen Hype erzeugen, wenn es statt sauber in der Auslage zusammen mit anderen Dingen gehäuft in einer Ecke liegen würde…
Aber eine miese Homepage? Ach, das ist ja nur im Internet. NUR im Internet?!

Ihr wollt oder könnt nicht viel für eine Webseite ausgeben? Dann lasst nur das Nötigste machen! Das aber bitte sauber.
Euer Schwippschwager aus Oer-Erkenschwick, der euch bei allen Computer-Dingen gerne mal unter die Arme greift, hat leider nicht so richtig viel Ahnung vom Web? Dann holt euch doch Leute, die sich auf diesem Gebiet auskennen!
Seit frühester Kindheit wird uns eingetrichtert, dass der erste Eindruck zählt. Und der findet heute oftmals zuerst im Netz statt. Also tut euch einen Gefallen und nehmt das Netz ernst!
Es geht auch meistens gar nicht darum, dass man die beste, schönste, größte oder umfassendste Webseite haben muss. Es geht eher darum, dass man interessierten Besuchern der eigenen Homepage technisch, wie optisch nicht komplett vor den Kopf stößt.

So, und nach über 500 Worten habe ich mich dann auch wieder abgeregt… aber das musste mal raus!

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