michael-schlieper.de

Träume und Ideen

Als ich vor gut 20 Jahren die ersten Seminare an der Uni Essen gab, wusste ich, dass mir - obwohl ich weiß Gott nicht gerne vor großen Menschenmengen stehe und rede - das Vermitteln von Informationen und Inhalten wirklich viel Spaß macht (und “Spaß machen” ist hier in erster Linie ein schwammiger Platzhalter für ein diffuses Gefühl aus Genugtuung und Freude, für das ich einfach gerade kein besseres Wort finde). Jetzt möchte ich mir damit sicherlich nicht selbst unterstellen, dass ich der größte, beste oder klügste “Informationsvermittler” dieses Planeten bin - nein, ganz gewiss nicht. Aber dennoch ist dieses Thema eines dieser Steckenpferde, die einen über Jahre immer wieder beschäftigen und von denen man immer der Meinung ist, dass da “noch mehr” ginge. Ob es nun Kurse und Vorträge an der örtlichen Volkshochschule zu den Themen “Podcasts” oder “Die eigene Webseite”, Schulungen und Trainingseinheiten bei Kunden rund um Content-Management-Systeme oder allgemeine Web-Technologien oder zuletzt ein kleiner Auftritt als Gast-Dozent an der DHBW Mannheim zum Thema “Javascript” waren, ich habe immer das Gefühl, dass ich mehr in diesem Bereich machen und investieren bzw. vielleicht sogar meinen kompletten Arbeitsschwerpunkt in diese Richtung verlagern sollte.

Von 1999 bis 2010 (mit kleinen Pausen) bestimmte die Marke GIGA einen großen Teil meines Lebens und meiner Arbeitswelt. Ein Faktor der Arbeit dort, der mich vor allem zu Beginn der GIGA-Zeit begeistern konnte, war die Tatsache, dass “wir” es aus den unterschiedlichsten Gründen immer wieder schafften, junge Menschen (eben die Zielgruppe der verschiedensten GIGA-Inkarnationen) für irgendwas so anzufixen, dass sie selbst die Initiative ergriffen und anfingen “Dinge zu erschaffen”. Da brachten sich Leute das Programmieren, das Gestalten von digitalen Grafiken bzw. Videos, das Moderieren oder einfach das “Schreiben” bei, um es dem Fernseh-/Online-Vorbild gleichzutun. So entstanden im Laufe der Zeit tatsächlich einige ziemlich coole Geschichten als Web-Projekte oder sogar komplette Internet-TV-Shows - und nicht selten wurden die Macher dieser Projekte dann auch noch motiviert, dieses Handwerk auch hauptberuflich fortzusetzen.

Wirft man heute einen Blick darauf, wie junge Menschen das Netz nutzen und mit den dort angebotenen Inhalten umgehen, dann findet man teilweise haarsträubende Defizite. Das reicht von der allgemeinen Medienkompetenz (oder dem Fehlen dieser) bis hin zu einer regelrechten Planlosigkeit, was die eigenhändige Schöpfung und Gestaltung solcher Inhalte betrifft. Ich persönlich bin immer noch der Meinung, dass z.B. die Kenntnis grundlegender Webgestaltungsmechnismen oder rudimentäres Programmier-KnowHow das Leben und ganz besonders die (nicht nur job-technischen) Perspektiven eines Jugendlichen durchaus aufwerten können. Eine Diskussion ob solche Fertigkeiten in der heutigen Zeit und in unserer Kultur nicht eigentlich Grundvoraussetzung jeder schulischen Ausbildung (wie das Schreiben und Lesen) sein müsste, erspare ich mir an dieser Stelle dann aber doch…

In einigen Ländern (und teilweise auch schon hier in Deutschland) gibt’s seit geraumer Zeit Vereine, Institutionen und Unternehmen, die sich gezielt diesem Thema widmen. Da werden Kindern aus ärmeren Verhältnissen Computer zur Verfügung gestellt und in kostenlosen Seminaren die Grundlagen von HTML & Co beigebracht. Da gibt es “Bootcamps” und Arbeitsgemeinschaften in und ausserhalb der Schule, die einfache Problemlösungsstrategien vermitteln wie sie auch bei der Programmierung von Applikationen benötigt werden. Und da gibt es Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Jugendlichen/Kindern rechtzeitig die nötige Kompetenz mit den “neue(ste)n Medien” näher zu bringen.

Hätte ich aktuell die Möglichkeit, würde ich 100% meiner Zeit in den Aufbau solcher Strukturen und die Realisierung eben dieser Projekte stecken. Dieses Thema “verfolgt” mich schon seit Jahren und ich weiß, dass ich mich diesem Thema irgendwann auch mal richtig widmen werde. Aktuell ist es nur ein Traum, eine Vision, aber auch ein Ziel! Ein Ziel, das ich dennoch bisher nie aus den Augen verloren habe…

Kommentare

comments powered by Disqus